Welche Yogastile und Übungsarten gibt es?
Generelles:
Alle physischen Yogastile sind Hatha Yoga Arten. Hatha Yoga ist ein Überbegriff für alle Yogastile, die Asana Praxis beinhalten. „Ha“ ist die Sonne und bezieht sich auf Pingala Nadi, den Sonnenkanal. „Tha“ ist der Mond und bezieht sich auf Ida Nadi, den Mondkanal. Kraftvolle und regelmäßige Praxis soll die beiden Kräfte vereinen, so dass sie durch den Hauptkanal Sushumna Nadi fließen und sich die eigene Energie mit der göttlichen Energie vereinen kann. Hinter „Hatha Yoga Kursen“ verbirgt sich häufig sanftes Yoga in der Sivananda Tradition oder nach Yoga Vidya.
Meditation
Es gibt viele Meditationen. Über Ashtanga Vinyasa Yoga wird gesagt, dass dies zu einer Meditation in Bewegung wird, wenn man eine Weile dabei ist. Meistens sind aber Achtsamkeits- oder sitzende Konzentrationsübungen gemeint.
Pilates
Pilates wurde von Joseph Hubert Pilates entwickelt. Es ist ein systematisches Kräftigungsprogramm und beschäftigt sich primär mit dem Beckenboden, der Bauch- und Rückenmuskulatur. Es gibt „Mattentraining“, aber auch speziell entwickelte Geräte, an denen geübt wird. Es gehört eine bestimmte Atemtechnik dazu. Geübt wird in der Regel eher ruhig.
Power Yoga
Power Yoga ist kein geschützter Begriff. Daher weiß man nie genau, was sich hinter so einer Kursbeschreibung verbirgt. Häufig haben die Lehrer einen Ashtanga Yoga oder Iyengar Yoga Background und unterrichten körperorientiertes, kraftvolles Yoga, gemäß ihrer Tradition.
Sivananda Yoga
Die Körperübungen werden hier viel sanfter ausgeübt. Asanas (Körperübungen), Pranayama (Atemübungen) und Meditation (Konzentrationsübungen) werden in etwa zu gleichen Teilen ausgeübt. Die meisten Klassen folgen einem festgelegten Ablauf, der Rishikesh Reihe. Die Lehrer unterrichten meistens in weißer Kleidung, eventuell in gelben T-Shirts.
Kundalini Yoga
Im Kundalini wird viel gesungen und über spirituelle Inhalte geredet oder referiert. Die Übungen unterscheiden sich in der Regel von den klassischen Übungen der anderen Traditionen. Häufig wird ein einfacher Bewegungsablauf über mehrere Minuten wiederholt und von der Rezitation eines Mantras begleitet. Diese Yogaform hat das Aufsteigen der Kundalini-Energie zum Ziel. Eine Energie, die im Becken verborgen liegt und die Wirbelsäule aufsteigt und dann verschiedenste Erleuchtungszustände hervorrufen kann. Viele Kundalini Yoga Lehrer tragen den weißen Turban der Sikhs, da einer der größten Kundalini Lehrer, Yogi Bhajan (1929-2004), ein indischer Sikh war.
Iyengar Yoga
BKS Iyengar hat wie Patthabi Jois bei Krishnamacharya gelernt. Dieses Yoga ist das technischste Yoga. Hier wird versucht die Ausführung der Asanas, häufig auch mit Hilfsmitteln (Blöcke, Gurte, Decken etc.), bis ins kleinste Detail zu perfektionieren. Daher werden die Asanas statisch ausgeübt. Die Kurse haben in der Regel einen bestimmten Schwerpunkt.
Anusara Yoga
Anusara wurde vom Amerikaner John Friend 1997 begründet. Dieser Yogastil ist technischer als dynamische Yogarichtungen und dynamischer als das Iyengar Yoga. Die Übungen sollen „herzorientiert“ ausgeführt werden und ihren Ausdruck von innen nach außen finden.
Bikram Yoga
Dieses Yoga wird bei 38 Grad und bis zu 40% Luftfeuchtigkeit praktiziert. Entwickelt von dem Inder Bikram Choudhury, enthält die Übungssequenz 24 klassische Asanas (Körperübungen) und zwei Pranayamas (Atemübungen). Die Studios verfügen in der Regel über einen großen Spiegel und die Lehrer können schon mal etwas vom „Drill-Instructor“ haben. Die Spiritualität wird hier in der Regel außen vor gelassen und sich ausschließlich auf die körperlichen Aspekte konzentriert.
Hormon Yoga
Die brasilianische Psychologin und Yogalehrering Dinah Rodrigues entwickelte diese Yogaart. Hatha-Yoga Übungen, Kundalini Yoga Übungen und tibetische Energieübungen, die gezielt auf Eierstöcke, Schilddrüse und Nebennieren wirken, werden hierbei geübt. Damit soll die Hormonproduktion angeregt, der Kinderwunsch unterstützt und Wechseljahrsbeschwerden gelindert werden.
Integraler Yoga
Dies ist eine Yogaform, die aus der Tradition des Sivanandas entstanden ist. Hier geht es eher ruhig zu und der Schwerpunkt liegt eher auf der Schulung des Geistes, als auf der Ausübung der Asanas.
Jivamukti Yoga
Dieses Yoga wurde von den Amerikanern Sharon Gannon und David Lif in den 80er Jahren in New York entwickelt. Jivamukti gehört mit seinen fließenden, tänzerischen Asanas zu den Vinyasa-flow-Stilrichtungen. Geübt wird zu Musik (gerne auch mit DJ) und rockigen Beats. Einige Lehrer setzten sich sehr für bestimmte Aspekte der Philosophie ein und propagieren die Rechte der Tiere in ihren Kursen.
Tri Yoga
Tri Yoga wurde von der Amerikanerin Kali Ray begründet. Auch diess Yoga ist eine gehört in die Vinyasa-flow-Gruppe. Hinzu kommen hier noch Mudrasequenzen (Handübungen) und ein Hauch an Esoterik und liebevoller Verehrung der Stilgründerin.
Yoga nach Yoga Vidya
Yoga Vidya steht in direkter Verwandtschaft zu den Sivanandas, ist allerdings weniger starr an die originalen Abfolgen gebunden. Ein besonderer Schwerpunkt wird hier auf das Pranayama (die Atemübungen) gelegt. Es wird auch hier gerne in weiß oder gelb unterrichtet und eingeladen in einem Ashram („Yoga-Kloster“) zu üben. Der Hauptsitz liegt in Bad Meinberg im Teutoburger Wald.
Yoga im täglichen Leben
Hier geht es weniger um einen bestimmten Stil, als um eine Wissenschaft, oder einen Weg, der es dem modernen Menschen ermöglicht, das traditionelle Yogawissen in die heutige Zeit zu integrieren.
Yin Yoga
Yin Yoga wurde von dem Amerikaner Paul Grilley entwickelt. Es hat seine Basis in den anatomischen ungleichen Voraussetzungen. Geübt wird passiv, regenerativ. Es geht um „Loslassen“ und „zur Ruhe kommen“. In dynamischen Stilrichtungen wird Yin Yoga gerne als Alternative für Voll- und Neumondtage oder während der Menstruation angeboten.
Vini Yoga
Auch Vini Yoga stammt von Krishnamacharya ab und wird heute von dessen Sohn T.K.V. Desikachar und wiederum dessen Sohn Kaustub verbreitet. Der Schwerpunkt liegt in der individuellen Anpassung der Praxis an die Bedürfnisse des Schülers, Yoga als Heilmethode. Dementsprechend wir häufig in Einzelunterricht geübt. Die Ausübung der Asanas wird an den einzelnen Schüler angepasst. Von kraftvoll, bis meditativ kann hier alles dabei sein.
